Dr. Manfred Werban

Dr. Manfred Werban, Burg

  • Diplom-Agraringenieur
  • Leiter Biosphärenreservat Spreewald a.D.
  • Hobby-Vogelkundler
  • Moorforscher

Der Vater des Biosphärenreservats Spreewald

Für Vater August Werban war eigentlich klar, dass aus dem Jungen mal was „Ordentliches“ werden sollte. Schmied oder Maurer, wie er selbst einer war, kamen da in die engere Wahl. Für Manfred war das gar nicht so klar. Für ihn, der inmitten der üppigen Natur des Spreewaldes aufgewachsen ist, kam nur ein Beruf im Freien in Frage. Heimlich erkundigte er sich nach einer Waldarbeiterlehre und fand auch in Förster Karl Fietze in Weißkollm einen Lehrherren. Nur Mutter Henriette wurde kurz vor Lehrbeginn informiert, dann setzte sich Manfred von zu Hause ab. Über ein Jahr grollte der Vater über die Eigenmächtigkeit seines Sohnes, dann kehrte wieder häuslicher Friede ein. „Dennoch war es eine der schönsten Zeiten für mich, ich war in meiner geliebten Natur, hatte beim Förster Familienanschluss gefunden und durfte vom ersten Tag an alles machen“, gesteht er später.
Der Spreewälder kannte Tagebaue und deren Hinterlassenschaften bisher nur vom Hörensagen, in der Weißkollm-Knappenroder Gegend war dies aber das beherrschende Thema unter den Forstleuten. Wie und womit sollten die Kippen aufgeforstet werden? „Ich fand es damals schon nicht gut, dass einfach nur Kiefern in die Erde gebracht wurden. Es gab kaum Bodenanalysen und von Mischwaldpflanzungen wollte man nichts wissen. Da habe ich eigenmächtig Landschaftsgestalter gespielt und immer wieder mal Birken und andere Laubgewächse dazwischen gepflanzt – mit dem Ergebnis, dass ich vom Oberförster einen dienstlichen Rüffel bekam und so etwas gefälligst nie wieder tun sollte!“
Seine Freizeit verbrachte er mit vogelkundlichen Beobachtungen und kam so in Kontakt mit dem bekannten Naturfotografen Helmut Drechsler. Mit einer „Werra“, seinem ersten Fotoapparat machte er auch bald eigene Aufnahmen.
Der junge Forstarbeiter wollte mehr über naturwissenschaftliche Zusammenhänge erfahren, besonders interessierten ihn die Böden. Am Institut für Forstliche Standortkartierung in Potsdam machte er seine ersten Schritte in die Wissenschaft, mehrere Fernstudien folgten. Seine Diplomarbeit an der Universität Halle/Wittenberg hatte den Informationsgehalt einer Promotionsschrift. Und diese setzte sein betreuender Professor gegen alle Widerstände auch durch. Staatliche Stellen ignorierten später seinen Titel, weil Manfred Werban „politisch nicht genügend in Erscheinung trat und als Kader nicht in Frage kam“, wie er später in seiner Stasi-Akte lesen konnte.
Manfred fand dennoch eine interessante Tätigkeit bei der Cottbuser Bezirksstelle für Geologieund war hier für die bodenkundliche Bewertung der Kippenflächen und für die Entscheidung der künftigen Nutzung zuständig. Über zwei Jahrzehnte schloss sich dann die Tätigkeit als Bodenkundler für die Landwirtschaft in Vetschau an. „Hier habe ich meine Erfüllung gefunden, hier konnte ich mich mit meinem Fachwissen einbringen.“ Nun wieder näher an seiner Burger Heimat dran, konnte Manfred sich auch mehr um Haus und Hof seiner Mutter kümmern, der Vater war inzwischen verstorben. Aus seiner Hallenser Studienzeit brachte er auch die Liebe seines Lebens, Gabriele, mit, 1975 wurde geheiratet und in Vetschau eine Neubauwohnung bezogen. Tochter Ulrike wurde 1976 geboren, sie hat inzwischen ebenfalls promoviert und ist am Leipziger Umweltforschungszentrum tätig.
Manfred Werban’s  Kenntnisse waren überall gefragt, er hielt zahlreiche Vorträge zu Meliorationsfragen und stellte dabei nicht nur wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund. Er führte den Begriff „Ökologie“ so ganz nebenbei ein, was ihm auch Kritik einbrachte, denn diesen West-Terminus hörten die Funktionäre nicht gern.
In der wendebewegten Zeit kam der  „grüne“ Werban zwangsläufig an die runden und grünen Tische um Platzek und  Succow. Die persönliche Wende für ihn war die Vorbereitung der Verordnung über die Bildung des  Biosphärenreservates Spreewald. „Meine politischen Freunde waren der Überzeugung, dass ich in der Lage wäre, das Reservat Spreewald aufzubauen.“ Manfred Werban stürzte sich in die Arbeit. Sein Büro war im ersten Jahr das Auto, das Telefon stand daheim. Es gab noch keine Strukturen, alles musste erst geschaffen werden. „Aber ich war wieder richtig zu Hause in meinem Spreewald – mehr noch, ich konnte etwas für ihn tun!“
Ganz einfach war es nicht, denn es mussten eine Reihe Grundsatzfragen geklärt werden, zu viele Interessensgruppen spielten auf einmal mit: Vom Totalreservat bis zum Disney-Land reichten die Vorstellungen. „In dieser Zeit habe ich mir mehr Feinde als Freunde geschaffen, aber letztlich konnte ich meine Vorstellungen durchsetzen: Naturschutz durch Landnutzung. Nur so kann die Kulturlandschaft des Spreewaldes erhalten bleiben.“ Er hat mit diesem Konzept Recht behalten, der Wirtschaftsraum Spreewald konnte sich ebenso behaupten wie das Reisegebiet Spreewald. „Kleinkarierter Naturschutz war mit mir nicht zu machen!“ Manfred Werban gehörte deshalb zu den Ersten, die 2005 den gerade neu geschaffenen Verdienstorden des Landes Brandenburg erhielten.
Nun schon im Ruhestand („dieses Wort kenne ich nur in seiner Bedeutung“) kann er sich seinen zahlreichen Hobbys widmen. Er erforscht die Moore und ihre Schichtungen, wie das Sawall’sche Luch in Trebatzsch, ein ehemaliger Torfstich des Hyronimus Leichhardt (der Vater des Australienforschers). Er ist gefragter Interview-Partner, Sachverständiger und Autor zahlreicher Publikationen, er arbeitet am jährlichen Kalender „Stog“ (dt.: „Heuschober“) mit. In „Die Spree - Sinfonie eines Flusses“, Gerd Conradts Filmdokumentation zur Sinfonie von Karsten Gundermann, hat er gemeinsam mit Götz George und anderen einen Part übernommen.
Bei allen Ausflügen in andere Genres und Gefilde bleibt er doch seinem Spreewald verwurzelt. „Ich sorge mich um die Zukunft dieser einmaligen Landschaft. Wenn die Landwirte kein Geld mehr für das Mähen der Wiesen bekommen, dann findet auch der Weißstorch nur noch wenig Futter und wird ebenso ausbleiben wie später die Touristen, die ihn hier noch in freier Wildbahn erleben können. Andererseits hat die Weidewirtschaft stark zugenommen, Moore werden einbezogen und manch Spreewaldbauer zieht seine Koppeldrähte gleich bis an die Fließe. Vernichtete Kleinbiotope und zertretene Ufer sind die Folge!“
Manfred Werban steckt immer noch voller Tipps und Ideen, sein Sachverstand bringt er auch im internationalen Naturschutz ein: „Wenn ich helfen kann, helfe ich gern. Warum sollen andere unsere Fehler wiederholen? Wir haben doch nur die eine Natur auf dieser Welt, sie kennt keine politischen Grenzen!“

Großmutters Buchweizengrütze mit Milch (für ca. 4 Pers.)

1 Liter

Milch oder auch ein Gemisch halb und halb aus Wasser und Milch kochen.

70 g Buchweizengrütze

unter fortwährendem Rühren zufügen

1 Prise  Salz

hinzugeben und alles etwa 25 Minuten leicht kochen. Mit

1 - 2 EL Butter

verfeinern.

 

 

Publikationen:

  • Naturräumliche Grundlagen der Landnutzung. Akademie-Verlag Berlin 1982
  • Burger und Lübbenauer Spreewald. Verlag Weimar 1994
  • Geologie von Berlin und Brandenburg , Nr. 3 Lübbenau-Calau, Berlin 1995
  • Biosphärenreservate Deutschlands. Springer Verlag 1995
  • Naturland Deutschland. Kosmos 1997
  • Limnologie aktuell: Die Spree. Stuttgart 2002

Peter Becker, Dez. 2010

Fotoalbum Werban

s.a. Lausitzer Rundschau

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