Flügelreparatur

Klaus Rudolph, Straupitz

  • Jahrgang 1943
  • Lehrer
  • Windmüller
  • Musiker

Der Leinölpapst


Den geborenen Oberlausitzer führte es erstmals 1958 in den Spreewald. Mit seinem Lehrlingskollektiv des Volkseigenen Gutes (VEG) Großhennersdorf bei Zittau unternahm er diesen Ausflug wie alle Tagestouristen mit dem Kahn, überhaupt nicht ahnend, dass es ihn später einmal für immer in diese Gegend verschlagen würde. „Das wollte ich mir auch gar nicht vorstellen, ich liebe die Berge in meiner Oybiner Heimat und dieses flache verwässerte Land gefiel mir anfangs nicht“, so Rudolph heute. Aber schon knapp zehn Jahre später sollte es wieder in den Spreewald gehen, offensichtlich für eine lange Zeit. Klaus Rudolph war inzwischen Lehrer geworden und wurde in den sich wegen der Energiewirtschaft stark entwickelnden Bezirk Cottbus eingewiesen, nur den Kreis durfte er sich aussuchen. „Da kam für mich nur Lübben in Frage, wegen der damals günstigen Bahnverbindung nach Zittau, ich wollte möglichst oft nach Hause fahren.“ Diesem Drang folgte er auch nur allzu gern. Seine Unterkunft in einem kleinen Dorf bei Lübben war mehr als dürftig: ein Zimmer mit Ofenheizung, Brunnen und Toilette über’n Hof – für 10 Mark Monatsmiete.
 
In den Folgejahren qualifizierte er sich in verschiedenen Unterrichtsfächern und wurde schließlich Diplom-Lehrer. Mit der Wende kam aber das „Aus“ für ihn, denn für den Werken- und Staatsbürgerkundelehrer hatte man plötzlich keine Verwendung mehr. Er machte nun das, was viele aus dem Staatsdienst Gekündigte damals taten: „Ich legte mir eine schwarze Aktentasche und schicke Sachen zu und  fuhr über Land, um den Leuten Versicherungen zu verkaufen. Von irgendetwas musste ich mich und die Familie ja ernähren!“ Da er offiziell arbeitslos war, musste er sich regelmäßig beim Arbeitsamt melden. Dort suchte man einen Projektleiter für die Rekonstruktion der Straupitzer Mühle und für die Wiederaufnahme der Leinölproduktion, eine auf zwei Jahre befristete Maßnahme. „Am ersten Tag, am 18. Dezember 1994, wollte mich die Mühle erst gar nicht hereinlassen, das Schloss war stark verrostet. Ich hatte auch keine Ahnung von einer Mühle und ging zu Willy Nowak, dem letzten Straupitzer Müller. Der meinte: ‚Das wird nischt mehr, aus dieser Mühle wird nie wieder Öl kommen. Da fehlt ja das Pumpaggregat für die Ölpresse, das musste ich in den 70ern an den ‚VEB Pharma Gröditsch’ verkaufen.“
Rudolph ließ sich nicht entmutigen und besorgte sich jede Menge alte Mühlenbücher, die er nächtelang studierte. Auch fuhr er zu vielen andere Mühlen „zum Gucken und Lernen“.
Fast genau ein Jahr später, im Dezember 1995, floss nach 30 Jahren Stillstand wieder das erste Leinöl, welches seither deutschlandweit berühmt und begehrt geworden ist. Dabei war die Beschaffung und Finanzierung eines originalen Pumpaggregates für 17.000 DM gewissermaßen ein Husarenstück, worüber sich ein eigenes Buch schreiben ließe.

Allerdings war eine Komplettsanierung der Ruine nicht möglich, denn es fehlte an Geld.  Auch wusste Rudolph am Ende der ABM nicht, wem er den Mühlenschlüssel geben sollte, denn wegen ungeklärter Besitzverhältnisse gab es keinen Eigentümer. „Sollten die zwei mühseligen ABM-Jahre mit voller Instandsetzung und Funktionstüchtigkeit der Öl- und auch der alten Sägemühle etwa umsonst gewesen sein. Wie soll es weitergehen, damit nicht wieder alles verrostet?“ Rudolph hatte sich inzwischen ein umfangreiches müllerisches Wissen angeeignet und wusste auch aus der Erfahrung von anderen Mühlen: Stillstand ist der Mühle Tod! Also kam er zu dem Entschluss: „Dann mache ich auf eigene Faust und Verantwortung weiter und suche mir Verbündete. Also ging Rudolph neben einem zwischenzeitlich aufgenommen Job in Burg noch jedes Wochenende in die Mühle und presste zusammen mit einem ehemaligen ABM-Kollegen Leinöl. Das aber zehrte sehr an der körperlichen Substanz und war auf Dauer keine Lösung. Deshalb meldete Rudolph 1997 ein Gewerbe im Nebenberuf an, stellte kurzerhand zwei Ölmüller ein und lernte sie an. Wenig später gründete er noch den gemeinnützigen Mühlenverein, um mit Unterstützung der Gemeinde (diese bekam 1998 die Mühle geschenkt) die dringend notwendigen Fördergelder beschaffen zu können. Fünf Jahre später, im Juni 2003, wurde an der Mühle nach umfassender Sanierung und Rekonstruktion der bundesweite 10. Deutsche Mühlentag feierlich eröffnet. Nun ist die Mühle wieder fit für die nächsten 100 Jahre, sie ist die einzige produzierende „Dreifachwindmühle“ Europas mit Mahl-, Öl- und Sägemühle unter einem Dach und somit gewissermaßen ein europäisches Kulturerbe.

 

Jährlich zählt die Mühle ca. 30.000 Besucher, „aber nicht, um allein die Mühle zu sehen, davon gibt es inzwischen viele, sondern weil sie das Leinöl und deren Herstellung interessiert. Die Menschen sind gesundheitsbewusster geworden, der diesbezügliche Wert für die Ernährung ist inzwischen bekannt.“ Klaus Rudolph betreibt ja mit seinen Mitarbeitern nicht nur die Mühle, sondern auch den Ölverkauf, eine kleine Saisongast-stätte und führt die Besucher durch die Mühle. „Vom Ölverkauf allein könnten wir nicht leben, der hochreine Leinsamen ist im Einkauf sehr teuer geworden, das historische Herstellungsverfahren ist sehr aufwändig und eben noch echte Handarbeit mit geringer Produktivität. Aber wir sind die Einzigen, die das Öl noch nach der jahrhundertealten Methode herstellen, anders ist dieser unvergleichliche mild-nussige Geschmack nicht zu bekommen. Übrigens haben wir unser erstes Öl 1996 aus Furcht vor der staatlichen Lebensmittelkontrolle - es gab ja damals noch keinen Trinkwasseranschluss in der Mühle -   quasi als Firniss verkauft. Obwohl hochgesund und hygienisch einwandfrei, haben wir auf das Etikett den Warnhinweis aufgedruckt: ‚Nicht für den Verzehr geeignet!’ – natürlich ein Witz aus heutiger Sicht!“
Die schweren Anfangsjahre sind Geschichte, auf der Straupitzer Mühle hat sich Normalität eingestellt, sie gibt bis zu 8 Menschen Arbeit und Lohn ohne jegliche Förderung. Auch Müller Rudolph findet wieder etwas mehr Zeit, er musiziert gern und ist noch immer leidenschaftlicher Motorradfahrer. „So oft es geht, fahre ich mit meiner Frau in die Berge, die mir noch immer aus meiner früheren Zittauer Heimat fehlen, aber am liebsten in die Alpen. Mit dem Spreewald habe ich mich inzwischen gut angefreundet, er ist seit langem meine zweite Heimat geworden.“
Stolz ist er auf seine drei Kinder und seine acht Enkel. „Besonders freut es mich, dass ein Sohn auch technikbegeistert ist: Er hat promoviert und ist nun Softwareentwickler und an der Konstruktion des ‚100-Dollar–Welt-Laptops’ beteiligt, ein Gerät, dass mit Kurbeldynamo auch in Urwald und Wüste einsetzbar ist. Und vielleicht kommt er sogar mal dahinter, wie man solch ein Teil auch mit Windenergie antreiben könnte – ein ‚Windlaptop‘ eben!“

 

Leinöl - von Natur aus kerngesund!

„Leinöl – das ist Schmiere für die Ewigkeit“ (Ehm Welk)


Der Geschmack von Leinöl ist nicht jedermanns Sache, dennoch sollte es auf dem Speisezettel ernährungsbewusster Menschen nicht fehlen. Sein hoher Gehalt an lebensnotwendiger Omega-3-Fettsäure macht das Leinöl hochgesund und zu einem der wertvollsten Pflanzenöle.
Leinöl wird aus den Samen der Flachspflanze gewonnen. Lein (lat. linum usitatissimum, dt. Flachs) ist wohl die älteste Kulturpflanze der Menschheit, sie wurde von den Ägyptern schon vor ca. 5000 Jahren angebaut und hoch verehrt. Im Jahre 2005 avancierte der Flachs zur „Heilpflanze des Jahres".
Viele der heutigen „Volkskrankheiten" (Herz-Kreislaufprobleme „liederliches" Cholesterin, Allergien u.a.m.) entstehen oder werden mit verursacht durch „schlechte" Fette in Lebensmitteln, die leider auch häufig versteckt vorkommen z.B. in Margarine, Pommes, Speiseeis, Schokolade, Keksen u.v.a.m.

Nehmen Sie Leinöl zu sich, etwa 1 Esslöffel täglich! Schaden kann es nicht, aber helfen!
Seien Sie misstrauisch, wenn Ihnen im Handel Leinöl begegnet mit einer Mindesthaltbarkeit von drei Monaten und mehr! Leinöl besteht zu fast 100% aus ungesättigten Fettsäuren (davon über 50 Prozent Omega-3), diese reagieren sehr stark mit Sauerstoff und machen das Leinöl leicht verderblich. Nach etwa 6 Wochen schmeckt Leinöl fischig und bitter.


Frisches Leinöl immer kühl (2 - 7 Grad Celsius) und dunkel aufbewahren, am besten im Kühlschrank. Aber nur in der Menge, die man innerhalb von vier Wochen verbrauchen kann. Größere Mengen Leinöl lassen sich problemlos im Tiefkühlschrank einfrieren und monatelang  ohne Geschmacks- u. Qualitätsverlust aufbewahren. Dazu Wochenportionen in kleine Behältnisse aus Glas oder Plastik abfüllen und einfrieren. Keine Bange, das Glas platzt nicht, denn Öl ist kein Wasser und dehnt sich bei Frost nicht aus!

Peter Becker, 30.11.10

 

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