Manfred Karolczak

Manfred Karolczak, Burg

  • Holzpantoffelmacher
  • Amtswehrführer

 

Der Amtswehrführer und die Holzpantoffeln

Manfred Karolczak

Seit über 100 Jahren werden in der Familie Karolczak Holzpantoffeln angefertigt. Die 1909 in Grünberg, dem heutigen polnischen Zielona Gora, gegründete Firma befriedigte die Bedürfnisse breiter Bevölkerungsschichten. Holzpantoffeln waren das Schuhwerk der zumeist ländlichen Bevölkerung. Sie waren schnell und praktisch zu wechseln, wenn es mal kurz vom Haus über den Hof in Stall gehen sollte. Außerdem passten sie sich hervorragend in den Fuß des Trägers oder der Trägerin an. „Wir verwenden meist Pappel- und Erlenholz, welches weich und leicht ist. Durch häufigen Gebrauch kommt es dazu, dass der Fuß den Pantoffel formt und nicht umgekehrt, wie das bei den heutigen Modeschuhen manchmal der Fall zu sein scheint.“  Diesen kleinen Seitenhieb auf die Schuhindustrie kann sich Manfred Karolczak, Enkel des Firmengründers und heutiger Inhaber der kleinen Burger Firma, nicht verkneifen.
Die Familie seines Großvaters siedelte schon in den Dreißigern in die Spreewaldgemeinde und ließ sich mit der Werkstatt nieder, sicher auch auf lohnende Kundschaft hoffend. Die Spreewälder trugen und tragen diese Pantoffeln sehr gern, denn sie waren besonders bei der Feldarbeit und im Kahn sehr praktisch. Manfred, 1953 geboren, war es somit in die Wiege gelegt, ebenfalls Holzpantoffelmacher zu werden. In seiner Kindheit war er natürlich oft in Vaters Werkstatt und probierte sich schon mal hier und da mehr oder weniger erfolgreich aus. Später ging er bei seinem eigenen Vater in die Lehre und besuchte die gewerbliche Berufsschule in Cottbus. Anlässlich des fünfzigjährigen Berufsjubiläums des Vaters übertrug dieser 1981 die Firma an seinen Sohn Manfred. Der hatte inzwischen eine im Spreewald urlaubende Thüringerin kennen gelernt und dank der Kraft der Liebe im Spreewald festhalten können. Die Kinder Jördis und Jens wurden 1978 und 1982 geboren, und die junge Familie wollte versorgt sein. In den ersten Jahren gelang dies noch recht gut, doch mit der politischen Wende wehte ein etwas rauerer Wind durch die kleine Werkstatt in Burg. Mit Pantoffeln war immer weniger Geld zu verdienen, Billigschuhwerk aus dem asiatischen Raum verdrängte die traditionellen „Holzlatschen“ aus dem Sortiment der Händler. „An einem Paar sitze ich eine Stunde, ich muss einfach auch einen Stundenlohn ansetzen, hinzu kommen noch die Materialkosten. Einen solchen Preis wollen und können viele Leute nicht mehr zahlen“, schätzt Manfred Karolczak die gegenwärtige Situation ein.
Aber er ist ideenreich und talentiert genug, um auch aus dieser Situation noch das Beste zu machen: „Wenn der Kunde nicht zu mir kommt, dann muss ich eben zum Kunden gehen!“ Seit vielen Jahren nun schon ist er auf Handwerker- und Wochenmärkten präsent. Er führt die Fertigung in seiner mobilen Werkstatt vor und kann so ganz gut seine Waren verkaufen. „Die besten Kunden gibt es in Bayern und in Norddeutschland, woanders kann man mit meinen Pantoffeln wenig anfangen!“ Und wenn er daheim im Spreewald ist, nimmt auch immer mal eine Reisegruppe in seiner Schauwerkstatt Platz. So mancher Besucher hat dann anschließend mindestens ein Paar Holzpantoffeln im Gepäck, weil er vom gesundheitlichen Wert des einfachen Schuhwerks überzeugt ist. Neben seiner eigenen Reisetätigkeit und der kleinen Werkstatt übern Hof, hat die Familie noch mal kräftig investiert und eine Ferienpension errichtet. Ehefrau Hanni hat damit alle Hände voll zu tun, denn zumindest über den Sommer geben sich die Gäste die Klinke in die Hand.
Obwohl eigentlich ausgelastet, findet Manfred Karolczak immer noch Zeit, den örtlichen Feuerwehren des Amtes Burg vorzustehen. Schon seit 30 Jahren ist er aktiv dabei und inzwischen sogar Amtswehrführer. Diese ehrenamtliche Tätigkeit fordert ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit, oft auch ganz plötzlich. „Etwa drei Arbeitsmonate widme ich in Summe dieser Funktion, und ich komme auf etwa 80 Einsätze im Jahr“. Manfred Karolczak möchte dieses gesellschaftliche Engagement aber auch nicht vermissen: „Ich stehe gern anderen bei und es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich Menschen in Not helfen kann. Manchmal kommt meine Hilfe und die meiner Kameraden zu spät, besonders bei Verkehrsunfällen – das sind dann die Schattenseiten meiner Tätigkeit.“
Abseits von Feuerwehr und Pantoffelwerkstatt gibt es noch ein drittes Feld: Er ist aktives Mitglied im Burger Sängerchor „Conkordia“. Dies macht er auch besonders gern, denn seine Ehefrau ist ebenfalls Chormitglied. So sind sie beide wenigstens bei den Proben und Auftritten zusammen und genießen die knappe Freizeit nun schon seit über dreißig Jahren nutzbringend für sich und für andere.
Seine große Leidenschaft sind auch alte Autos. Und in der hintersten Hofecke steht aufgebockt ein „Wolga“. „Dieses Fahrzeug sowjetischer Bauart will ich mal zum Odltimer adeln, das habe ich mir vorgenommen, aber dafür fehlt mir im Moment doch die Zeit. Vielleicht mache ich mich mit Sohn Jens mal drüber her, der steht auch auf so etwas!“ Sein Piepser holt ihn aber sogleich auf den harten Boden der Tatsachen zurück: Ein Feuerwehreinsatz verlangt nach ihm und seinen Kameraden. „Es ist wie immer, der ‚Wolga’ wird wohl noch eine Weile auf sein zweites Leben warten müssen, auch die Pantoffelwerkstatt wird möglicherweise Stunden verschlossen bleiben“, kann er noch erklären, bevor er sein Einsatzfahrzeug startet und sich verabschieden muss.

 

Holzschuhe sind auch Werkzeuge

Holzschuhe sind ein hervorragendes Hilfsmittel zum Rasen säen: Man schraubt bzw. nagelt zwei handliche gehobelte Bretter –nicht zu groß, nicht zu klein- an die Holzpantoffeln und schon kann man ohne Schwierigkeiten, neu ausgebrachten Rasensamen in das Erdreich eindrücken ohne dabei zu tief einzusinken.

P. Becker, Dez. 2010

Fotoalbum Karolczak

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