Christa und Dieter Dziumbla

Christa und Dieter Dziumbla, Burg

  • Trachtensticker
  • Trachtenausstellung

Die 1946 in Burg/Penke geborene Christa wollte von Landwirtschaft und Tradition eigentlich nicht viel wissen: „Wir Kinder mussten häufig auf dem elterlichen Hof und den Feldern helfen, es war anstrengend und es blieb uns zum Spielen nur wenig Zeit. Die wendische Sprache, die die Alten damals noch häufig verwandten, haben wir zwar ganz gut verstanden, fanden sie aber altmodisch.“ Im Elternhaus wurde deutsch gesprochen, man gab sich der neuen Zeit zugewandt und übertrug diese Einstellung auch auf die Kinder.
Christa erlernte in Cottbus den Beruf einer Schneiderin und heiratete nach der Lehre den 5 Jahre älteren Forster Dieter Dziumbla. Dieser hatte sich in Burg ein Häuschen gesucht und vorerst zur Miete dort gewohnt. Zwei Söhne und eine Tochter erblickten dort das Licht der Welt. Nach 10 Jahren Hausfrauenzeit zog es Christa „wieder unter die Leute“, sie besuchte einige Lehrgänge und nahm eine Tätigkeit als Hortnerin an der Burger Schule auf. Schon nach kurzer Zeit gab es die ersten Impulse, doch mal was in Sachen „Sorbische Traditionen“ zu tun. Ehemalige Hortkinder, nun schon in der 7. Klasse, waren es, die bei Christa den Stein ins Rollen brachten: „Ich habe ja schon immer gern Handarbeiten gemacht, dass wussten die Mädchen wohl aus ihrer Hortzeit, nun wollten sie aber eine wendische Tracht haben. Damit konnte ich natürlich (noch) nicht dienen, aber die folkloristischen Motive an den Bändern und Tüchern haben mich schon interessiert und so konnte ja wenigstens schon mal der Grundstein gelegt werden.“ Die Kinder machten sich mit ihrer ehemaligen Hortnerin auf die Suche nach Original-Vorlagen, so manche Oma fand in ihrer verstaubte Truhe noch das eine oder andere Band mit wunderschönen Blumenmotiven und überließ es den Kindern zum Nachsticken.
Auf den damals üblichen Volkskunstfesten, bei Mach-mit-Wettbewerben und Talentveranstaltungen wurden die  ersten Ergebnisse vorgestellt, sogar das DDR-Fernsehen wurde auf die AG „Trachtenstickerei“ aufmerksam und drehte mit ihnen einen Film.
Nach der politischen Wende zog sich Christa wieder aus dem Hort zurück und überführte ihr bis dahin gepflegtes Hobby in eine selbständige Tätigkeit, denn die Nachfrage nach Trachten und deren Zubehör wuchs. Nach Jahrzehnten der fast Vergessenheit kam die diese wieder zu Ehren, wenn auch nicht mehr im Alltag. Die zahlreichen Volksfeste, das sich entwickelnde Vereinswesen und auch das wieder gestiegene Traditionsbewusstsein brachten eine gestiegen Nachfrage mit sich. In Ehemann Dieter hatte sie nun plötzlich eine wunderbare Unterstützung. Nicht nur, dass er Kohleschuppen und Tenne zur Trachtenstube und -schneiderei ausbaute, er konnte auch sticken: „Gelernt habe ich das schon als kleiner Junge bei meiner älteren Schwester und im Nadelunterricht der Schule, der damals für alle verpflichtend war - was man als Kind beherrscht, vergisst man so leicht nicht! Und nach wenige Übungsstunden hatte ich es wieder drauf“, so der stolze Dieter. „Meine Frau ließ mich ein Band mit Rosenmotiven sticken, 4 Meter lang. Daran habe ich in Summe 80 Stunden gesessen! Uns was sagte meine Frau dazu? ‚Du darfst weiterhin für mich sticken!’ Ich nahm es einfach mal als Lob und seitdem sitzen wir oft zusammen, wir sticken, stricken oder spinnen – ja nachdem, was grad anliegt.“ Ehemann Dieter ist überaus talentiert, er kann auch Fischernetze stricken und betreibt eine Imkerei, im Garten ist ein großer Fischteich und Gemüse wird selbstverständlich in Eigenproduktion auf dem Öko-Acker erzeugt. Sein ganzer Stolz ist aber auch der wendische Drehbaum, der im Weihnachtsmonat in der guten Stube aufgebaut wird. Hier wird ein uralter wendischer Weihnachtsbrauch am Leben erhalten. Der Drehbaum ist eine pyramidenähnliche Holzkonstruktion, knapp 2 Meter hoch, der sich mit den Kerzen um die eigene Achse dreht. Mit dieser Tradition sind sie fast allein, es soll nur noch ganz wenige wendische Drehbäume und diese auch nur im Burger Raum geben.
Überhaupt haben sich die beiden immer mehr der Traditionspflege verschrieben, in ihrer Trachtenstube kann man sich davon ebenso überzeugen, wie auf den häufigen Volksfesten der Spreewaldregion. Beide führen dort die Trachtenstickerei und andere Handarbeitstechniken vor. Sogar Schlagerbarde Jürgen Drews hat mit ihnen mal in bei einer Show gestickt und „sich gar nicht mal so dumm angestellt“, wie Christa beobachtet hatte.
Aber die meiste Zeit verbringen die beiden mit dem Anfertigen von Trachten. „So 2 bis 3 Burger Festtagstrachten pro Jahr sind es schon, die bestellt werden. Auch das eine oder andere Tuch ist nach Kundenwünschen zu fertigen, Sammler bestellen bei uns Trachtenpuppen, auch die Schafwolle will zu wärmenden Socken verarbeitet werden.“ Christa und Dieter brauchen für eine Festtagstracht 300 bis 500 Stunden, alles wird per Hand gefertigt und ist natürlich einmalig. Es gibt keine zweite gleiche Tracht, dazu sind die Motive zu unterschiedlich. Und der Preis von bis zu 1000 Euro ist bei diesem nachgewiesenen Aufwand durchaus gerechtfertigt.
Seit 4 Jahren ist Christa wieder an der Stätte tätig, an der alles seinen Anfang nahm. Im Rahmen des Ganztagsunterrichts zeigt sie wieder den Kleinen in der Burger Schule, wie man richtig Trachtenmotive stickt. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich mich mal mit den ‚alten’ Sachen beschäftigen werde, die ich als Kind damals abgelehnt hätte, und das ich noch einmal selbst mit Kindern arbeiten kann. Damit leiste ich vielleicht meinen eigenen kleinen Beitrag zur so wichtigen Traditionspflege, nach uns muss es ja auch weitergehen.“

Peter Becker, Jan. 2009

Fotoalbum Dziumbla

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