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Den geborenen Oberlausitzer führte es erstmals 1958 in den Spreewald. Mit seinem Lehrlingskollektiv des Volkseigenen Gutes (VEG) Großhennersdorf bei Zittau unternahm er diesen Ausflug wie alle Tagestouristen mit dem Kahn, überhaupt nicht ahnend, dass es ihn später einmal für immer in diese Gegend verschlagen würde. „Das wollte ich mir auch gar nicht vorstellen, ich liebe die Berge in meiner Oybiner Heimat und dieses flache verwässerte Land gefiel mir anfangs nicht“, so Rudolph heute. Aber schon knapp zehn Jahre später sollte es wieder in den Spreewald gehen, offensichtlich für eine lange Zeit. Klaus Rudolph war inzwischen Lehrer geworden und wurde in den sich wegen der Energiewirtschaft stark entwickelnden Bezirk Cottbus eingewiesen, nur den Kreis durfte er sich aussuchen. „Da kam für mich nur Lübben in Frage, wegen der damals günstigen Bahnverbindung nach Zittau, ich wollte möglichst oft nach Hause fahren.“ Diesem Drang folgte er auch nur allzu gern. Seine Unterkunft in einem kleinen Dorf bei Lübben war mehr als dürftig: ein Zimmer mit Ofenheizung, Brunnen und Toilette über’n Hof –dafür hat’s nur 10 Mark Monatsmiete gekostet. Allerdings war eine Komplettsanierung der Ruine nicht möglich, denn es fehlte am Geld. Auch wusste Rudolph am Ende der ABM nicht, wem er den Mühlenschlüssel geben sollte, denn wegen ungeklärter Besitzverhältnisse gab es keinen Eigentümer. „Sollten die zwei mühseligen ABM-Jahre mit voller Instandsetzung und Funktionstüchtigkeit der Öl- und auch der alten Sägemühle etwa umsonst gewesen sein. Wie soll es weitergehen, damit nicht wieder alles verrostet?“ Rudolph hatte sich inzwischen ein umfangreiches müllerisches Wissen angeeignet und wusste auch aus der Erfahrung von anderen Mühlen: Stillstand ist der Mühle Tod! Also kam er zu dem Entschluss: „Dann mache ich auf eigene Faust und Verantwortung weiter und suche mir Verbündete. Also ging Rudolph neben einem zwischenzeitlich aufgenommen Job in Burg noch jedes Wochenende in die Mühle und presste zusammen mit einem ehemaligen ABM-Kollegen Leinöl. Das aber zehrte sehr an aller Substanz und war auf Dauer keine Lösung. Deshalb meldete Rudolph 1997 ein Gewerbe im Nebenberuf an, stellte kurzerhand zwei Ölmüller ein und lernte sie an. Wenig später gründete er noch den gemeinnützigen Mühlenverein, um mit Unterstützung der Gemeinde (diese bekam 1998 die Mühle geschenkt) die dringend notwendigen Fördergelder beschaffen zu können. Fünf Jahre später, im Juni 2003, wurde an der Mühle nach umfassender Sanierung und Rekonstruktion der bundesweite 10. Deutsche Mühlen-tag feierlich eröffnet. Nun ist die Mühle wieder fit für die nächsten 100 Jahre, sie ist die einzige produzierende „Dreifachwindmühle“ Europas mit Mahl-, Öl- und Sägemühle unter einem Dach und somit gewissermaßen ein europäisches Kulturerbe. Jährlich zählt die Mühle ca. 30.000 Besucher, „aber nicht, um allein die Mühle zu sehen, davon gibt es inzwischen viele, sondern weil sie das Leinöl und deren Herstellung interessiert. Die Menschen sind gesundheitsbewusster geworden, der diesbezügliche Wert für die Ernährung ist inzwischen bekannt.“ Klaus Rudolph betreibt ja mit seinen Mitarbeitern nicht nur die Mühle, sondern auch den Ölverkauf, eine kleine Saisongast-stätte und führt die Besucher durch die Mühle. „Vom Ölverkauf allein könnten wir nicht leben, der hochreine Leinsamen ist im Einkauf sehr teuer geworden, das historische Herstellungsverfahren ist sehr aufwändig und eben noch echte Handarbeit mit geringer Produktivität. Aber wir sind die Einzigen, die das Öl noch nach der jahrhundertealten Methode herstellen, anders ist dieser unvergleichliche mild-nussige Geschmack nicht zu bekommen. Übrigens haben wir unser erstes Öl 1996 aus Furcht vor der staatlichen Lebensmittelkontrolle - es gab ja damals noch keinen Trinkwasseranschluss in der Mühle - quasi als Firniss verkauft. Obwohl hochgesund und hygienisch einwandfrei, haben wir auf das Etikett den Warnhinweis aufgedruckt: ‚Nicht für den Verzehr geeignet!’ – natürlich ein Witz aus heutiger Sicht!“ „Leinöl – das ist Schmiere für die Ewigkeit“ (Ehm Welk) Peter Becker, Jan. 2009
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