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Eine Legende geht von Bord – oder was Jutta Pudenz mit der Queen gemeinsam hatIn 21 Sommern stakte Postfrau Jutta Pudenz ihren gelben Kahn durch die Spreewald-Fließe und brachte die Post zu den Bewohnern des Dörfchens Lehde, einem Ortsteil von Lübbenau. Sie belieferte über 80 Haushalte mit wöchentlich etwa 600 Briefen und 30 Paketen, und sie war auch eine schwimmende Filiale, denn Jutta Pudenz nahm Post entgegen oder verkaufte Briefmarken. An diesem 7. Oktober 2011 war aber alles ein wenig anders: Jutta Pudenz machte ihre Arbeit wie sonst auch, nur erwischte sie sich immer wieder bei dem Gedanken, dies alles zum letzten Mal zu tun. Den Schäferhund am Dolzke-Fließ, der wie jeden Tag am Briefkasten auf sie wartete, streichelte Jutta Pudenz diesmal etwas länger. Das obligatorische Leckerli fiel auch etwas größer aus. Attila wird in den nächsten Tagen vergeblich warten. Er muss sich erst wieder daran gewöhnen, dass der Briefkasten nun nicht mehr bedient wird. Die Kahnpostzustellung endete an diesem Tag ohnehin planmäßig, aber Jutta Pudenz weiß auch, dass sie zukünftig nicht mehr die Post im Kahn ausfahren wird. Nach den Jahren im Postkahn geht sie noch vor der neuen Zustellsaison in den Vorruhestand. Die Lehd‘schen haben auf ihren Grundstücken zwei Briefkästen: Einen straßenseitigen, für den Winter und einen wasserseitigen für den Sommer. Jutta Pudenz konnte manchmal direkt vom Kahn die Post einwerfen, manchmal musste sie auch den Kahn festmachen und ein paar Schritte gehen. Genau dies hat ihr auch die „Spreewaldtaufe“ eingebracht: Einmal kam plötzlich Sturm auf und trieb den nur leicht befestigten Kahn vom Ufer ab. Jutta Pudenz konnte nur mit einem beherzten Sprung ins Wasser den Kahn erreichen. Die Lehd’schen adelten sie dafür zur „echten Spreewälderin“. Nur wer schon mal unfreiwillig Kontakt mit dem Wasser hatte, ist in deren Augen auch ein richtiger Spreewälder. Die in Senftenberg Geborene hatte ursprünglich mit dem Spreewald wenig zu tun. Erst familiäre Bindungen führten sie näher an den Spreewald heran, hier fand sie auch bald Arbeit als Postzustellerin, zunächst noch ungelernt, aber schon 1990 holte sie den Facharbeiterabschluss nach. Mit der politischen Wende änderte sich auch für die Post sehr viel, das Brief- und Paketvolumen stieg enorm und die bisher praktizierte Zustellung per Fahrrad stieß an Grenzen. Nun waren Postzusteller mit Fahrerlaubnis gefragt – Jutta hatte aber keine! „Dann können wir Sie nur auf der Lehde-Tour einsetzen, allerdings müssten Sie dann wenigstens Kahn staken lernen“, so ihre damaligen Vorgesetzten. Ehemann Karl-Heinz, ein Fährmann, lehrte sie erfolgreich darin, sie hat zwischenzeitlich sogar den „Fährmannsnachweis“ erbracht, obwohl dies für den Postkahn nicht nötig gewesen wäre: „Wer weiß, was noch kommt! Ich kenne jeden Winkel hier und könnte später durchaus auch mal Touristen durch den Spreewald staken.“ Nach der kurzen Autofahrt ist sie nun zuhause angekommen. Karl-Heinz Pudenz wartet mit dem Kaffee und Kuchen auf sie, eigentlich auch wie immer. Dennoch hat er an diesem Tag ein wenig mehr Zeit und Aufmerksamkeit für seine berühmte Frau. Schon am nächsten frühen Morgen geht es für Jutta Pudenz wieder zum Dienst, ab jetzt nur noch mit dem Auto. Bis Februar 2012, dann gibt sie auch noch die Zündschlüssel ab. Peter Becker, Oktober 2011 Ihr Tipp:Kürbissuppe („Ich bleib bei gelb“, so die Postfrau)
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