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Diesen Vornamen tragen nur sehr wenige Mädchen. Tia ist es aber gewohnt, Auskünfte nach der Namensbedeutung zu geben: „Ich bin eine Prinzessin, so jedenfalls die griechische Bedeutung von Lutricia, der Langform von Tia. Er könnte auch von der anderen Langform Lueticia abstammen, „der Freundlichen“. Tia ist’s egal: „Dann bin ich eben eine freundliche Prinzessin!“ Damit beschreibt sie unbewusst auch gleich ihr Wesen, denn die Vierzehnjährige ist durchaus etwas Besonderes und hebt sich von ihrer Altersgruppe ab. Dennoch schwebt sie nicht in anderen Sphären, sie hat viele Freundschaften, betreibt aktiv Sport und ist in vielen Arbeitsgemeinschaften vertreten. Was sie von den Teenies ihrer Altersgruppe aber wohl eher unterscheidet, sind ihr Fleiß, ihre Vielseitigkeit und ihr gelebtes Bekenntnis zu ihrer Herkunft. Eltern, Groß- und Urgroßeltern stammen größtenteils aus der sorbisch-wendischen Lausitz und lebten ihren Kindern Sprache, Tradition und Kultur vor. So ist es auch nur folgerichtig, dass Tia von der 1. Klasse an den Sorbisch-/Wendischunterricht besuchte und auch bei festlichen Anlässen die farbenfrohe Burger Tracht trägt. Unterstützung bekam und bekommt sie von Großmutter Ingrid, die mit ihr die Sorbisch-/Wendischen-Hausaufgaben übte und auch stets auf das korrekte Ankleiden der wendischen Tracht achtete.
Einen Dämpfer bekam die jugendliche Trachtenträgerin in einem Geschäft. Da wollte ein hinter ihr Stehender von einem noch weiter hinten Stehenden wissen, wer denn die „ältere Dame“ mit den Dutt und dem Samtband im Haar sei. Aber schon kurze Zeit später bekam sie wieder ein aufbauendes Lob, diesmal vom ehemaligen Sorbisch-/Wendischlehrer: „Du bist die einzige in der ganzen Mädchengruppe, die das Haar korrekt und mit einem schwarzen Samtband trägt!“ Tia trägt die Regionaltracht voller Stolz und auch gern. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Lydia trägt sie schon mal an Ausflugstagen an der heimischen Schleuse diese Tracht. Beide helfen dann den Touristen in ihren Booten, die Schleuse zu passieren, diese brauchen dann nicht auszusteigen. Mit einer sorbisch/wendisch gesprochenen Begrüßung und der schönen und dann auch oft fotografierten Tracht verdienen sie sich manchmal ein durchaus beachtliches Taschengeld. Sie unterscheiden sich eben von den anderen Schleusenhelfern und -helferinnen, die weniger ideenreich sind. Aber Tia weiß auch sehr genau, dass dies ein gewisses Zugeständnis an touristische Erwartungen ist. „Die Festtagstracht ist etwas besonderes, sie ist kein Kostüm und sollte auch nur zu bestimmten hohen Anlässen getragen werden“, ist ihre Auffassung. Die Arbeitstracht, die alltägliche Tracht der Frauen im Burger Raum, wird heute sehr selten getragen. Auch Tia trägt sie nicht, wenn sie ihren Eltern auf dem großen Grundstück an der Spree zur Hand geht. Beide Eltern sind im Bauwesen beschäftigt und betreiben nebenbei noch eine kleine Landwirtschaft. Da sieht man dann die ganze Familie schon mal in Arbeitssachen in den Kartoffeln, ein Bild, wie man es sicher überall in Deutschland zu sehen bekommt.
Trotz aller Belastungen: Die Schule geht immer vor, Tia ist eine der besten Schülerinnen und sicher die allerbeste im Fach Sorbisch/Wendisch, weit über die Schule hinaus. Bei der erst kürzlich stattgefundenen Sorbischolympiade belegte sie am Cottbuser Sprachzentrum Witaj einen beachtlichen ersten Platz, mit 20 Punkten Vorsprung vor der Zweitplatzierten! Ihr zuerst verfolgtes Berufsziel ist dennoch nicht ein Beruf, der mit dieser Sprache zu tun hat. Sie liebt die Naturwissenschaften und ist auch mit Herz und Seele in einer schulischen Arbeitsgemeinschaft, die sich mit der GPS-Technik befasst und satellitengestützte Navigationsrouten für Paddler erstellt. Diese Gruppe arbeitet mit einer polnischen Gruppe zusammen und hier hilft Tia wieder ihre Kenntnis einer slawischen Sprache bei der Verständigung untereinander.
Peter Becker, Juni 2009
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