Model – der Schatz der Blaudrucker
„Was gut grünt, tut auch gut blauen!“ Diesen alten Färberspruch hat Evelin Rühtz-Müller immer dann parat, wenn der erstaunte Gast statt dem erwarteten blauen Stoff einen gelb-grünen sieht, der da aus dem Färbebad kommt. Kurz an der Luft geht er bald wieder ins Bad, um dann nach vier- bis sechsmaliger Wiederholung der Prozedur dann tatsächlich blau zu sein. In ihrer Cottbuser Werkstatt färben sie und Ehemann Bernd in reiner Handarbeit meterweise Stoffe nach traditionellem Verfahren. So entstehen Tischtücher in den verschiedensten Mustern und Formen, Servietten, Brot- und Zwiebelbeutel, Gardinen und natürlich die Blaudruckschürzen der Spreewälderinnen. Das Färben geschieht mit Indigo.
Unter den vielen hundert Druckstöcken, den Modeln wie sie in der Blaudruckersprache heißen, wird dann das passende Muster gesucht – und dafür stehen einige 100 zur Verfügung. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass mal ein Muster nicht vorrätig ist. Dies ist die Stunde des Ehemanns. Besser: Dies sind die Stunden, denn nun beginnt das Stechen tausender kleiner Messingstifte und –bleche in das Birnenholz entsprechend dem gewünschten Muster. Diese Arbeit macht Bernd Müller dann auch mal ganz gern auf Handwerkermärkten der Region, wo er mit Engelsgeduld Stiftchen auf Stiftchen ins Holz treibt, beobachtet von den Besuchern, die oft auch viele Fragen stellen. Über die Schultern schaut ihm dabei manchmal die Enkelin Luisa zu oder hilft ihm sogar dabei – ob sie mal das Handwerk fortführt?
Die Cottbusser Blaudruckerei ist die einzige in der Region, in ganz Deutschland gibt es wohl nur etwa zehn. „Unser Muster ist von besonderer Feinheit und Detailtreue, ich erkenne es immer wieder“, so die Blaudruckmeisterin. Das Handwerk hat sie erst viel später erlernt, sicher inspiriert vom Großvater Max Rühtz, der in der Stadtmitte früher seine Werkstatt hatte. In ihr wohnte der Wunsch nach kreativem Entwickeln und Gestalten, der sie alle Kraft aufwenden ließ, in der Kfz-Werkstatt ihres Vaters wieder eine Blaudruckerei aufzubauen. Natürlich erst nach behördlicher Erlaubnis, die damals nicht ganz so einfach zu bekommen war. Am 16. Juli 1984 hatte sie den begehrten Schein in der Hand, exakt vor 25 Jahren!
Inzwischen sind schon ballenweise Stoffe verarbeitet worden und im 1991 eröffneten Laden in der Cottbuser Burgstraße über den Tisch gegangen. „Viele Leute kaufen Blaudruck als Mitbringsel für ihre Auslandsreisen, als etwas Typisches aus der Lausitz. Unsere Waren gingen schon nach Japan, Frankreich, Mexiko und in die USA, aber hauptsächlich produzieren wir natürlich für den heimischen Markt“, berichtet Tochter Manuela Müller, die den „Blaudruck-Kunst & Handwerk“ – Laden betreibt. Zum Kundenkreis gehören auch die Liebhaber echten Blaudrucks, wie Trachtenhersteller, Modedesigner, Tanz und Trachtengruppen.
„Die wendischen Blaudruckmuster haben für mich immer noch etwas Besonderes und ich muss immer noch über die Vielfalt der Motive staunen.“ Evelin Rühtz-Müller steht vor weißen Baumwollbahnen, die nun bedruckt werden sollen. Wenn sie ihr Model gefunden hat, geht es ans Anmachen des Papps, eines Breies aus Ton und Gummi arabicum und weiteren Zusätzen. Aber dabei darf niemand Fremdes zusehen, denn das Mischen erfolgt nach einem streng gehüteten Geheimrezept, wie es wohl alle Blaudrucker haben. „Durch Probieren habe ich herausgefunden, welche Mischung sich am besten aufbringen lässt und letztlich ein ganz sauberes weißes Muster auch nach mehrmaligem Färben hinterlässt.“ Ganz vorsichtig wird das Model in den Papp gesetzt und dann noch viel vorsichtiger auf dem Stoff aufgedrückt. Bei den oft meterlangen Bahnen darf dabei kein grober Fehler passieren, eine Nachkorrigieren ist nicht möglich – verdruckt ist verdruckt. „Unser Qualitätsmerkmal ist nun mal die Handarbeit, der Handdruck. Und indigogefärbt.“
Behutsam setzt sie den Model auf den Stoff, wieder und wieder. Kaum zu glauben, das aus dem weißen Stoff mit dem gräulichen Muster ein tiefblauer Stoff mit strahlend weißem Muster entstehen soll. „Wer blaudrucken kann, kann auch hexen!“ Diesen Spruch aus dem Mittelalter bekommt man als Erklärung für diese seltsame Wandlung des Materials von der Meisterin zu hören. Irgendwie schon vorstellbar, dass damals den Blaudruckern mit viel Ehrfurcht begegnet wurde.
Anschrift des Ladens:
Burgstr. 19 03046 Cottbus Tel.: 0355-791022
Lieblingsrezepte
Brombeermarmelade mit Kürbis
2 kg Kürbis |
schälen und in kleine Stücke schneiden, mit |
1 kg Brombeeren |
in |
¾ Liter Wasser |
kochen. Das dann durch ein feines Sieb getriebene Fruchtmark nochmals kurz zum Kochen bringen. |
1 ¾ kg Zucker |
nach und nach zugeben und unter Rühren kochen, bis es „marmeladig“ wird. |
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Überbackener Apfelschnee
620 g Äpfel |
in kleine Stücke schneiden und mit |
125 ml Apfelwein |
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1 Zimtrinde |
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50 g Zucker |
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40 g Margarine |
und |
abgeriebener Zitronenschale |
kochen. Durch ein Sieb streichen und abgekühlt mit |
2 Eigelb |
verrühren und |
65 g Korinthen |
zugeben. Aus den |
2 Eiklar |
Eischnee mit dem Mixer herstellen und unterziehen. Die gesamte Masse in eine gefettete Auflaufform füllen, mit etwas |
1 -2 EL Puderzucker |
bestreuen und im Ofen bei Mittelhitze kurz überbacken. |
Peter Becker, Dez. 2010
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